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Samstag, 2. Juli 2011

Stromversorgung im Irak

Dass es immer mal wieder zu Stromausfällen kommt kenn ich ja schon. Ist nichts neues mehr wenn zum Abendbrot im Restaurant 3 – oder 4-mal der Strom weg ist und man im Dunkeln nach dem richtigen Teller sucht. Fahrstühle gehen dann auch nicht. Musste mich schon des öfternen von der Lobby aus in den dritten Stock hocharbeiten. Ausgerüstet mit meiner Handybeleuchtung. Gott sei Dank war ich nie IM Fahrstuhl wenn der Strom weg war. Ist zwar immer nur kurz. So 5- 10 Minuten, aber trotzdem!
Heute gab es eine Vorwarnung. Von 10 Uhr bis 12 Uhr kein Strom! Das heisst ich hock hier mit meinen verschwitzten Sportklamotten (bis 9.55 Uhr war ich im Gym) und nutze die letzten Saft meines Laptops um den Artikel zu tippen. Im Word natürlich. Internet ist auch off. Kaffee kann ich auch nicht trinken. Und TV geht nicht. Naja, immerhin hab ich so eine Ausrede ,warum ich nicht arbeiten kann. Es ist 11.21Uhr. Ich werde die letzten stromlosen 20 Minuten nutzen um mir TKKG anzuhören. Auf meinem Handy.
Die funktionieren nämlich noch, deswegen kann ich May engelsgleiche Stimme auch glasklar seit einer Stunde durch die Wände schallen hören….


12.10 Uhr: Yeah, Strom ist wieder da!Ich riss mir meine Sportklamotten vom Leib und sprang unter die Dusche!Endlich!Was für ein Genuss.Der Genuss war nur von kurzer Dauer.
Zack!Und ich stand da, ohne Wasser und im Stockfinster.Na toll,ich entschloss mich für die effektivste Lösung: Nichts tun! Nach 3 Minuten (die sich wie eine Stunde anfühlten) warten und frieren sprang Wasser und Licht an!Yeah. Wieder nur 4 Minuten lang bis zur nächsten Trockenphase.
Ich hatte die Schnauze voll und beschloss schlafend im Bett zu warten.War auch die beste Löung.Das An-und Ausspiel wiederholte sich nämlich noch 5-mal bis die Stromversorgung wieder stand.
Ich werde mich jetzt auf das Produzieren einwandfrei funktionierender Generatoren (Made in Germany natürlich) spezialiieren und somit die Nerven der irakischen Bevölkerung retten und mich dumm und dämlich verdienen.
Muss nur noch rausfinden, wie da so funktioniert mit den Generatoren bauen....Aber dem Ingenööör is nöscht zu schwööööööör! (Zitat einer Freundin von mir, nachdem wir mit Messer und Nagelpfeilen unsere Weinflaschen entkorken mussten....)

Kriegsveteran am Sheraton Pool

Es ist Freitag und nichts zu tun.
 May wollte unbedingt braun werden und überzeugte mich mit an den Pool des Erbil International Hotels (damals Sheraton) zu kommen.
 Ich hielt das für keine besonders schlaue Idee sich bei 50 Grad+ in die Sonne zu hauen, aber letztendlich kam ich mit.
Alle starrten mich an.
Diesmal nicht weil ich blond und weiblich war, sondern aufgrund meiner Krater am Bein. Die Mückenstiche aus Kairo.War ihnen nicht so ganz geheuer.
Ging schon los als ich nur meinen Zeh in den Pool tauchen wollte.“Sir,Sir!Shower!“
Hä?Ich? „Yes, YOU SHOWER!“
Ok, hab ich verstanden,aber nenn mich bitte nicht Sir! So schlimm sehe ich auch wieder nicht aus! Der Bademeister aka Pool-Napoleon sorgte für Recht und Ordnung.
Beleidigt duschte und erfrischte mich im Pool. Da waren Ausländer! Engländer….
“How is the water?“ „It’s wet!“ antwortete ich.
 Dann fiel mir auf das meine Antwort ziemlich dumm war und ich zog mich zurück auf meine Liege. Dort harrte ich 10 Minuten aus.
May versuchte mir beharrlich ihr Sonnenöl mit LSF 0 aber selbstbräunenden Effekt anzudrehen.
Wie ich danach wohl ausschau? Hummerrot, aber mit einem goldenen Schimmer überzogen?
Irgendwann tauchte der Pool-Napoleon auf und fragte May neugierig, was ee mit meinen Kratern auf sich hat.
Erstens lern Englisch und zweitens geht es dich nichts an!
Am liebsten hätte ich ihm gesagt, dass ich die Pest habe .Und Malaria obendrauf. Höchstansteckend. Leider kannte ich die arabichen Fachausdrücke nicht.
Deswegen verzog ich mich einfach in den Schatten und las ein wenig. Im Hintergrund ballerten Lieder von Enrique, Pink und co. Sogar My Immortal wurde abgespielt. Sehr passend am Pool…
Alles im Allem war es echt nett hier und für 20$ Daily Use kann man nicht meckern.
Ich chillte im Schatten während May sich 4 Stunden Ultrabestrahlung gab, ohne Sonnenbrand. Ich verspürte leichten Neid…
Als wir gerade gingen kam uns eine Bande Libanesen entgegen .Jung und attraktiv. War ja klar, erst wollten wir noch bleiben, aber mit meinen Kratern und meinem immer noch halben Matschauge konnte ich sowieso nicht viel bewirken.
Also ging es ins Hotel. Ich saß übrigens  schulter-und kniefrei im Taxi ohne irgendwelche Blicke oder Kommentare zu ernten. Scheint hier doch nicht so konservativ zu sein.

Freitag, 1. Juli 2011

Matschauge in Erbil -Part 2

So,nun fühle ich mich wieder mehr oder minder fähig Texte zu tippen.
Also gestern, kurz vorm Schmerzkollaps. beschloss ich im Krankenhaus vorbeizuschaun.
Ich informierte May, sagte ihr aber, dass es total unnötig ist, dass sie mitkommt.Kluge Ratschläge waren das letzte was ich wollte.
Ich fragte an der Rezeption nach dem nächsten Krankenhaus.
Warte 5 Minuten.In den 5 Minuten kam der Hotelbesitzer, der zwei Topärzte kannte, der Restaurantfuzzi, der den super Tipp hatte, dass ich Rosenwassertücher auf die Augen packen sollte gegen die Rötungenen.
Der nächte Typ brüllte vom Sofa gegenüber, dass das voll schlecht für das Auge sei.
Dann kam noch ein Restaurantfuzzi und hatte die Idee Teebeutel aufs geschwollene Auge zu packen. Ich kannte das Rezept- aus der Bravo. Bei Liebeskummer gegen verheulte Augen.Hatte der Typ auch die Bravo gelesen???
Also saß ich da, umrundete bei 5 Fachmännern, die alle ihr Halbwissen zum Besten gaben. Orientalische Freundlichkeit,man hilft wo man kann....auch wenn man eigentlich keine Ahnung hat.
Aber ich will nicht fies sein, am Ende des Abends hatte ich 3 neue Visitenkarten (Matschaugen sind super für Geschäftsbeziehungen!), meine Medizin durfte ich nicht zahlen!Null Chance!
Heute morgen ging es mir tatächlich weitaus besser und im Restaurant erkundete sich jeder nach meinem Wohlbefinden. Schön zu sehen, das man Leute hier hat, die sich um einen kümmern.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Matschauge am Donnerstagabend!

Ich weiss echt nicht wofür ich das nun wieder verdient habe.
Reichen die Krater am Bein nicht?Nein, scheinbar nicht!
Es ist Donnerstagabend,mein einziger Ausgehabend hier,und ich lieg im Bett.
Konnte weder Fernsehen noch den Laptop nutzen,war zu grell für mein Matschauge.Jetzt lieg ich mit Sonnenbrille im Bett.Viel besser.
Aber was ich heute wieder so dank meines Auges erlebt habe, verdient einen Blogeintrag.

Um 16 Uhr beschloss ich mir Augentropfen zu holen. Der Taxifahrer verstand weder meine englische noch meine arabische Version von Apotheke. Also versuchte ich es auf Deutsch,wuchtelte wild mit meinen Armen rum und zeigte ihn mein Auge.Und siehe da, er verstand.
Die Apotheke war der Knüller. Ein 16-jähriger Halbstarker empfing mich.
"Mumkin Eyedrops?"
Er schaute mich etwas verwundert an, verschwand kurz und bat mich hinter die Theke. Ich sollte mir passende Augentropfen aussuchen aus dem Sortiment von ca. 20 verschiedenen Tropfen.
 Erst wollte ich ihm erklären, dass das in Deutschland der Job des Apothekers ist,liess aber lieber und griff nach Tropfen von Lomb&Bausch. Die Marke ist gut.
Ja,gut ist sie,in diesem Fall leider gegen Augeninnendruck und nicht gegen Matschaugen.Na toll. Mein innerer Schweinehund schickte den Rezeptionisten los. Soll der sich mal um meine Augentropfen kümmern.
Und siehe da, 10 Minuten später hatte ich sie.
Part2 der Matschaugentory ereignete sich später am Abend.Davon erzähl ich morgen. Nur zur kurzen Vorschau: Ich wurde in der Lobby von 5 Möchtegernärzten mit jeweils individuellen Meinugen zu meinen Augen, umsorgt!

Mittwoch, 29. Juni 2011

Heimweh im Irak

Ich muss zugeben, dass es nicht einfach ist hier im Irak!
Die Hausparty gestern hat mir etwas neue Hoffnung gegeben.
Scheinbar können hier auch andere Europäer leben.
Aber kann ich es? Am Anfang war alles neu und interessant.
Momentan stecke ich in einer kleinen Mid-Erbil-Krise. Ich will endlich mein Haus.
Ich lebe jetzt schon seit einem Monat in Hotels und ich hasse es!
Ich brauche mein eigenes Reich.Eines ohne nervige Putzen, ohne einen zu kleinem Kleiderschrank und hässlicher Einrichtung. Unsere Villa wird in der English Village, eines der hypermodernen, neu kreierten Viertel der Stadt, sein.
Das ist zumindest der Plan  Die Frage ist nur,wann?Hoffenlich bald.
Hinzu kommt der Arbeitdruck. Mein Chef lauert auf Sales. Alles, was ich will ist mein Bett und der Fernseher.Berieselung vom Feinten.
Und ich muss zugeben, dass ich Kairo vermisse. Mein Lieblingloch:-)Ich vermise mein Leben dort. Der Spaß, die Leute,die Leichtigkeit, alles. Ich weiß, Spass it nicht alles im Leben.Aber trotzdem.
Und Deutchland  auch. Die Familie, die Ordnung, die Sauberkeit, das erträgliche Wetter, den Sommer in Deutschland,ach....Und nein, ich habe nicht meine Tage! Gott, kann doch nicht sein, dass ich schon nach einer Woche kneife,oder? Nein, noch ist meine Zeit nicht gekommen.Ich muss noch ausharren, zumindest ein bisschen!

Jetzt gehts erstmal in die MajidiMall, Bürokram kaufen, dann noch 2 Meetings und dann gibt es den verdienten Fernsehabend.Heute möchte ich niemanden sehen oder hören-außer meine Glotze!
Und morgen bin ich auf 2 Partys eingeladen. Eine Poolparty und eine Hausparty.Vielleicht hebt das meine Stimmung!

Abschiedsfeier in Erbil

Gestern wurde ich auf eine Hausparty,bzw. Abschiedsfeier geschleppt.
Cecil, Franzosin, Lehrerin an der Saladin-Uni und seit geschlagenen 9 Monaten hier, feierte ihren Abschied.
9 Monate! Ich wäre ja schon stolz, wenn ich 9 Tage hier in Erbil  aushalte!
Naja, Akam, ein Freund von meiner deutschen Bekanntin hier, nahm mich mit.
Ok, die Leute waren alle nicht besonders fancy, aber irgendwie so normal.
Wann hab ich das letzte Mal mit normalen Menschen gesprochen?
Da May nicht zählt, kann ich mich echt nicht mehr  erinnern!
Besonders nett waren Emilie, eine Kanadierin, aufgewachsen in den Staaten und dabei sich auf ihren neuen Job vorzubereien.Wo? In Bagdad.Verrückt!

Laida oder so, eine Assyrierin  spielt auch mit dem Bagdad-Gedanken, wegen ihres amerikanischen Freundes und der guten Bezahlung. Aber mal ernsthaft,Bagdad??? Wegen der Sicherheit hätte ich null Probleme hinzugehen. Ich bin da ziemlich gleichgültig.
Lieber kurz, aber dafür intensiv gelebt.
Plus die Wahrscheinlichkeit von einer Bombe in Bagdad zerfetzt zu werden ist realistisch betrachtet geringer als bei einem Autounfall in Deutschland zu sterben.

Aber davon mal abgesehen, was zur Hölle soll man denn bitte in Bagdad machen, ausser ackern von morgens bis abends?
Die einzige Möglichkeit dort zu leben ist ein einem der Compounds. Dort ist es sicher. Alles ausserhalb der abgeriegelten Siedlungen ist riskant,besonders für Ausländer.
Und in den Compounds? Nichts mit Freiheit.Dort ist einfach mal nichts los.
Und das sie plant wegen eines Typens nach Bagdad zu gehen...naja,muss ich ja nicht erläutern, was ich davon halte, nämlich nichts.Überhaupt nichts. Und schon gar nicht für so einen bekloppten Militär-Ami.

Ausserdem hab ich von der Stadt Mosul gehört. Dort soll es so krass sein, dass man als Christ gleich umgebracht wird. Naja, und als weisse Frau sowieso. Also Mosul ist schon mal von der To-di-Liste gestrichen.
Kann gar nicht verstehen, warum die dort sooooo christenfeindlich sind.
So falsch sind wir auch wieder nicht liebe Religionsbrüder!
Sehr interessant ist auch die Ansicht über den Einmarch der Amis hier im Lande.
Laida findet, dass der Eingriff sehr gut war, um Hussin zu stoppen.
Akram findet es furchtbar. Ich stimme da auch eher Akram zu.

Montag, 27. Juni 2011

Kairo Revolution

Hier Fotos von der Revolution in Kairo.
Für weitere Bilder musst du einfach das Bild anklicken: